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Insulin als Türöffner

Insulinresistenz in einem Bild erklärt, das man nicht mehr vergisst.

Bevor man eine Insulinresistenz verändern kann, muss man sie verstehen. In der Beratung mache ich das gern mit einem kleinen Rollenspiel. Stellen Sie sich vor: Ich bin das Insulin, eine zweite Person ist die Glukose — und alle anderen im Raum sind die Blutbahn.

Wie es funktionieren soll

Nach dem Essen steigt der Blutzucker. Die Glukose gelangt über die Blutbahn zu den Körperzellen. Damit sie die Zelle betreten kann, braucht sie einen Schlüssel: das Hormon Insulin. Insulin bindet an einen Rezeptor an der Zelloberfläche — im Bild gesprochen an der Zelltür. Dadurch öffnet sich die Tür, die Glukose kann eintreten und dort als Energie genutzt werden. Der Blutzucker sinkt wieder, das System ist im Gleichgewicht.

Wenn die Tür klemmt

Bei einer Insulinresistenz bindet das Insulin an den Rezeptor an der Zelltür — doch die Tür öffnet sich nicht richtig. Die Glukose bleibt im Blut. Der Körper reagiert folgerichtig: Die Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin, damit mehr Signalstoffe unterwegs sind und die Tür doch noch aufgeht. Im Bild gesprochen: Es kommt Verstärkung — zu zweit oder zu dritt wird die Tür irgendwann geöffnet.

Genau darin liegt das Problem: Je mehr Insulin dauerhaft im Blut kreist, desto stärker wird die Insulinresistenz. Es braucht immer mehr Insulin, um die Zelltür zu öffnen — bis die Zelle irgendwann kaum noch reagiert. Dann sprechen wir von Typ-2-Diabetes.

Die Leber als Zwischenlager

Die Glukose, die nicht in die Zellen gelangt, muss trotzdem aus der Blutbahn. Diese Aufgabe übernimmt die Leber: Sie speichert Glukose zunächst in Form von Glykogen. Sind die Glykogenspeicher gefüllt, wandelt die Leber überschüssige Glukose in Fettsäuren um und lagert sie als Triglyceride — unter anderem als sogenanntes viszerales Fett in der Bauchhöhle. Dieses Fett ist metabolisch aktiv, kann entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen und belastet den Stoffwechsel zusätzlich.

Was das für den Alltag bedeutet

Manche Gewohnheiten halten den Insulinspiegel über den Tag verteilt erhöht: häufiges Essen in kleinen Portionen, morgens eine große Menge Obst oder abends noch ein Glas alkoholfreies Bier oder Limonade. Einzeln betrachtet harmlos — in der Summe können sie genau das System unter Druck setzen, das man eigentlich entlasten möchte.

Wer sein Körpergewicht dauerhaft beeinflussen möchte, muss deshalb individuell herausfinden, wie und warum der eigene Körper Fett speichert und wieder freigibt. Erst wenn die Zelltür wieder zuverlässig öffnet, kann sich der Stoffwechsel normalisieren.

Dieser Beitrag dient der Ernährungsaufklärung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine Stoffwechselerkrankung oder bei Medikamenteneinnahme wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.