Warum Diäten scheitern
Und was stattdessen wirkt.
Wer eine kurzfristige Diät machen möchte, muss eines wissen: Diäten scheitern. Studien zeigen das sehr klar — sie scheitern nahezu alle. Nicht, weil die Menschen zu undiszipliniert wären, sondern weil eine Diät den Körper nicht verändert, sondern nur vorübergehend aushungert. Was trägt, ist eine Umstellung: eine Ernährungs- und Lebensweise, die man halten kann und in der man sich wohlfühlt. Deshalb muss sie individuell sein.
Der einfache Fall — und der echte
Ein gesunder 25-Jähriger, der abnehmen möchte, hat es vergleichsweise leicht: Ein moderates Kaloriendefizit von etwa 500 bis 700 Kilokalorien am Tag genügt meist, um rasch Ergebnisse zu sehen. Ob klassisch „Friss die Hälfte“, 18:6-Intervallfasten, weggelassene süße Getränke oder die Abendsnacks — Hauptsache, die Bilanz stimmt.
Ab etwa 40 sieht das anders aus. Viele mühen sich ab, halten ein Defizit ein — und nehmen trotzdem nicht ab. Warum?
Was sich in 15 Jahren Leben ansammelt
Der Lebensstil der letzten 15 Jahre hinterlässt Spuren: Arbeit, Familie, Verantwortung — ein dauerhaft hoher Stresspegel bedeutet einen dauerhaft erhöhten Cortisolspiegel, und Cortisol setzt Zucker im System frei. Dazu kommen häufig ein angeschlagener Darm mit einem Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, eine beginnende oder ausgeprägte Insulinresistenz und viszerales Fett, das sich um die Organe und in der Leber lagert.
Gleichzeitig beginnt die hormonelle Umstellung. Beim Mann sinkt zwischen etwa 40 und 50 das Testosteron — die Andropause dauert rund zehn Jahre. Bei der Frau setzen mit etwa 40 die prämenopausalen Schwankungen von Östrogen und Progesteron ein. Beides senkt die Stressresistenz — und treibt damit wiederum den Cortisolspiegel.
Der Hauptverlierer heißt Insulin
In den meisten Fällen steht die Insulinresistenz im Zentrum. Vereinfacht gesagt: Insulin ist der Türöffner, der Glukose aus dem Blut in die Zelle lässt. Bei einer Insulinresistenz reagiert die Zelle immer schwächer auf das Insulin — die Bauchspeicheldrüse produziert daraufhin immer mehr davon, und je mehr Insulin im Blut ist, desto stärker wird die Resistenz. Ein Kreislauf, der unbehandelt bis zum Typ-2-Diabetes führen kann. Was genau dabei passiert, erkläre ich im Beitrag „Insulin als Türöffner“.
Es gibt keine Abkürzungen
Apfelessig gegen Glukosespitzen, der eine Trick für den Stoffwechsel: Solche Helferlein sind keine Wundermittel. Sie können Puzzlesteine im Gesamtbild sein — aber eben keine Abkürzung.
In meiner Praxis haben Menschen zwischen 8 und 20+ Kilo abgenommen. Jede und jeder auf die eigene, individuelle Art — nur ein paar Grundlagen waren gleich. Genau darin liegt die Arbeit: herauszufinden, wie und warum Ihr Körper Fett festhält und nicht wieder hergibt. Und dann die Bausteine zu verändern, die für Sie den Unterschied machen.
Dieser Beitrag dient der Ernährungsaufklärung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme stimmen Sie Veränderungen bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.